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Pferdehaltung

Es ist ein absolutes Muss! Wer Pferde besitzt, hält oder nutzt, ist verpflichtet, sich das notwendige Wissen über ihr Wesen, ihre Bedürfnisse und ihre Haltungsansprüche zu verschaffen. Nichts Anderes darf die Grundlage des eigenen Handelns sein. Nur dann ist sichergestellt, dass der geflügelte Satz „Das Wohl der Pferde steht an erster Stelle“ keine leere Floskel ist.

Der Pferdesportverband Westfalen hat in seinem Ethik-Code festgelegt: „Das Wohl des Pferdes als Nutztier und Sportpartner ist oberstes Gebot und bestimmt sämtliches Handeln des Verbandes.“

Zu den konkreten Maßnahmen in diesem Handlungsfeld gehören darum neben überwachenden Maßnahmen im Turniersport vor allen Dingen Angebote im Bereich der Bildung und der Kommunikation.

Sie sollen zukünftig noch sichtbarer und weiter ausgebaut werden.

Im Folgenden sind zunächst einige relevante rechtliche und fachliche Grundlagen für die Pferdehaltung zu finden. Ansprechpartner werden bekannt gemacht. Aus- und Fortbildungsangebote zu Themen der Pferdehaltung werden bekannt gemacht und laden dazu ein, sich intensiv mit aktuellen Themen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen vertraut zu machen.

In Kürze werden zudem Themen aus dem Bereich Umwelt zu finden sein.

Rechtliche Grundlagen für die Pferdehaltung

Auf der gesetzlichen Ebene hat selbstverständlich das Tierschutzgesetz besondere Bedeutung. Auch im Grundgesetz hat der Tierschutz Einzug gehalten. Neben den relevanten Gesetzen spielen Leitlinien eine besondere Rolle. Sie sind wesentlich konkreter als die abstrakten Formulierungen im Gesetz, entfalten allerdings nicht die gleiche rechtliche Bindung.

Tierschutz ist in Deutschland ein erklärtes Staatsziel. Im Artikel 20a des Grundgesetzes heißt es: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

Das Tierschutzgesetz klärt den gesetzlichen Rahmen für die Haltung und Nutzung von Tieren. Zu den wichtigen Regelungen, die jeder Pferdehalter und Pferdesportler verinnerlichen muss, gehören die Paragraphen 2 bis 3:

§1

Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

§2

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

  1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

§3

Es ist verboten, einem Tier außer in Notfällen Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder die offensichtlich seine Kräfte übersteigen.

Beispiele

Als Beispiele für tierschutzrelevante Missstände in der Pferdehaltung führt die Deutsche Reiterliche Vereinigung folgende Beispiele auf:

  1. die Tasthaare des Pferdes kürzen oder die Ohr­muscheln ausrasieren
  2. Pferde nicht gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) impfen
  3. Einzäunung von Pferdeweiden mit Stacheldraht, alleinigen Metalldrähten oder Knotengitter
  4. dauerhafte Anbindehaltung (Ständerhaltung)
  5. ein einzelnes Pferd ohne Artgenossen halten
  6. Elektrozäune in Boxen oder Kleinausläufen

Quelle: www.pferd-aktuell.de

Die Leitlinien Pferdehaltung stellen den vielleicht wichtigsten konkreten Orientierungsrahmen für die Pferdehaltung dar. Zwar haben sie nicht den Charakter einer Rechtsnorm, sind also kein Gesetz.  Jedoch sind sie regelmäßig die Grundlage gutachterlicher Aussagen und richterlicher Entscheidungen, wenn über Klagen zu Tierschutzverstößen oder Haftungsfragen im Zusammenhang mit der Pferdehaltung zu entscheiden ist. Wer Pferde hält, sollte die Leitlinien als Pflichtlektüre verstehen und die Bedingungen seiner Pferdehaltung mit den definierten Mindeststandards abgleichen. Im Bereich der Ausbildung gehören ihre Inhalte - zielgruppengerecht aufbereitet - in den begleitenden Theorieunterricht, beispielsweise im Rahmen von Abzeichenlehrgängen.

Die Leitlinien Tierschutz, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) herausgegeben werden, „…zeigen die Anforderungen auf, welche an Umgang, Ausbildung und Training von Pferden sowie an jegliche Nutzung dieser Tiere, insbesondere in sportlichen Wettbewerben (einschließlich Leistungsprüfungen), in der Freizeit, bei der Reiter- und Fahrerausbildung, aber auch in der Land- und Forstwirtschaft, unter den Aspekten des Tierschutzes zu stellen sind.“, ordnet die Einleitung der Leitlinien die Bedeutung ein.

Die Leitlinien betrachten neben den Kriterien der Pferdehaltung vielfältige Aspekte, beispielsweise treffen sie Aussagen zur Verständigung zwischen Mensch und Pferd, zum Training, aber auch zur Ausrüstung und zum Transport.

Die derzeit auf der Seite des BMEL veröffentlichte und hier verlinkte Fassung der Leitlinien zum Tierschutz im Pferdesport stammen aus dem Jahr 1992 und befinden sich in der Überarbeitung.

Verbandliche Grundlagen in der Pferdesportorganisation

Fachliche Grundlagen der Pferdesportorganisation stehen nicht im Widerspruch zu den rechtlichen Rahmenbedingungen. Vielmehr konkretisieren sie Forderungen nach pferdegerechtem Verhalten und ordnen sie mit den Richtlinien für Reiten und Fahren auch in den Zusammenhang des Lernens und Lehrens ein. Die Ethischen Grundsätze definieren zudem das gemeinsame Verständnis aus der Perspektive der Werte-Orientierung.

Wesentliche verbandliche Kriterien für die Pferdehaltung finden sich in folgenden Quellen:

Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, Grundwissen zur Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht

Die Richtlinien Band 4 enthalten das „Rüstzeug“ für den artgerechten Umgang und der tiergerechten Haltung des Pferdes. Sie vermitteln Kenntnisse über die Verhaltensweisen der Pferde, über ihre richtige Haltung und Fütterung sowie über angemessene Pflege- und Hygienemaßnahmen.
Weiterhin werden die Grundlagen der Anatomie und Physiologie des Pferdes sowie die wichtigsten Pferdekrankheiten abgehandelt. In dem Kapitel „Pferdezucht“ sind Tipps und Informationen für Theorie und Praxis zu finden. Die Richtlinien Band 4 dienen der Vorbereitung auf Abzeichen - und Ausbildungsprüfungen nach der jeweils aktuellen APO.

Pferdehaltung, Ställe & Reitanlagen - Orientierungshilfen für Bau und Modernisierung

Die Orientierungshilfen liefern umfassende Informationen zu allen Aspekten rund um die Planung und Umsetzung des Neubaus oder Umbaus sowie der Erweiterung oder Modernisierung von Ställen und Reitanlagen mit zugehörigen Einrichtungen.
Hierbei werden neben Grundwissen zu den Ansprüchen des Pferdes und Anforderungen an verschiedene Haltungsformen, einschließlich der dazugehörigen Sicherheitsaspekte auch die Umweltverträglichkeit, die Nachhaltigkeit, die erneuerbaren Energien, sowie rechtliche Aspekte und aktuelle bauliche Anforderungen berücksichtigt.

Fortbildungen zu Themen der Pferdehaltung

Im Westfälischen Bildungsprogramm werden jährlich eine Reihe Maßnahmen angeboten, die verschiedene Aspekte der Pferdehaltung thematisieren. Zu den regelmäßig beleuchteten Themen gehören beispielsweise die Fütterung, die Prävention von Erkrankungen oder Seminare zur Ethologie.

Sachkundenachweis

Der Sachkundenachweis (APO) nimmt eine besondere Position ein. Die mehrtätige Fortbildung nimmt die Grundlagen der Pferdehaltung ausführlich in den Blick und schließt mit einer Prüfung.

Das Zertifikat wird seitens der Veterinärämter häufig als Befähigungsnachweise anerkannt, wenn es um die Erlaubnis zur gewerbsmäßigen Pferdehaltung nach § 11 des Tierschutzgesetzes geht.

Die Westfälische Reit- und Fahrschule in Münster bietet Lehrgang und Prüfung zum APO-Sachkundenachweis regelmäßig an.

Missstände in der Pferdehaltung?

Sie haben Kenntnis von einer unzulänglichen und möglicherweise tierschutzrelevanten Pferdehaltung? Als Ansprechpartner innerhalb der Pferdesportorganisation stehen Ihnen die Tierschutzvertrauenspersonen der Stadt-, Kreis- und Bezirksreiterverbände zur Verfügung (>> Link)

Weitere Informationen zum Umgang mit Beschwerden finden Sie hier:

Tierschutzvertrauenspersonen

Die Tierschutzvertrauenspersonen sind die regionalen Ansprechpartner der Stadt-, Kreis- und Bezirksreiterverbände im Pferdesportverband Westfalen. Sie sind ansprechbar, wenn Vorkommnisse im Bereich der Pferdehaltung auffallen. Tierschutzvertrauenspersonen engagieren sich ehrenamtlich auf der verbandlichen Ebene

Brigitte Hein

Telefon: 0251 - 3 28 09 39,
hein@pv-muenster.de 

Daniel Stegemann

Telefon: 0251 - 3 28 09 41,
stegemann@pv-muenster.de