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Geschichte des PV Westfalen

Die Anfänge des Reitsports in Westfalen

Viele Reitervereine sind aus den sogenannten Pferdezuchtvereinen hervorgegangen. 1835 wurde der 'Westfälische Reiterverein' in  Münster als erster Reiterverein Westfalens gegründet. In Amelsbüren entstand dann 1876 ein Pferdezuchtverein, der seit 1918 ein Reit- und Fahrverein ist. 

Einige Jahre vor der Gründung des Provinzial-Verbandes hob die Landwirtschaftskammer die 'Kommission für Leistungsprüfungen von Warmblutpferden in Westfalen' (KLW) aus der Taufe. 

3. August 1924 - Gründung des PV 

Gustav Rau rief und alle kamen: Das Reitturnier in Hamm im Jahr 1924 wurde eine einmalige Präsentation der ländlichen Reiter. Zum ersten Mal trafen sich 20 Vereine aus der Provinz Westfalen zu einem gemeinsamen Wettkampf, der mit einem großen Reiterfest und mehr als 350 Pferden seinen Auftakt fand. 

Im Nachhinein gilt der 3. August 1924 als das Gründungsdatum des Provinzial-Verbandes, das Turnier in Hamm gleichzeitig als erstes Provinzial-Turnier. 

Am gleichen Tag verkündete Gustav Rau die Gründung des 'Reichsverbandes der ländlichen Reitvereine Deutschlands', dem Vorgänge der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Ein maßgeblicher Mitorganisator war Tonius Schulze Diekhoff aus Westbevern, der spätere Geschäftsführer des neuen Provinzial-Verbandes.

Der Provinzial-Verband betreute damals sämtliche Reit- und Fahrturniere, aber auch Halb- und Vollblutrennen sowie Trabrennen. Aus den 50 Vereinen, die es im Geburtsjahr des Provinzial-Verbandes gab, wurden innerhalb von 12 Monaten 139 und 1926 waren es schon 181 Mitgliedsvereine. 

Ehemalige Kavallerie-Offiziere gaben Reitunterricht und schon 1929 veranstaltete man Reitturniere als Rennveranstaltungen. Die Züchter, ihre Söhne oder Hofeleven wurden in ihren Heimtarorten im Reiten geschult, sodass sich die Pferde besser vermarkten ließen. 

Das Besondere an diesen ländlichen Vereinen war auch, dass sie aus sich selbst heraus lebten. Sämtliche Posten wurden ehrenamtlich verwaltet, Es fanden sich Freiwillige, die die Übernahme eines 'Ehrenamtes' als erstebenswerte Aufgabe verstanden. 


ab 1949 - Tradition und Wandel

Die Pferdezucht im Dritten Reich war komplett auf Heeresbedarf ausgerichtet. Dieser Bedarf war nach 1945 nicht mehr vorhanden. Auf diese Weise kam es zu einem unvorstellbaren Pferdeüberschuss. 

So bitter es heute klingt - ohne Pferdezucht währen die Deutschen bis zur Währungsreform verhungert. Das Pferd wurde zum Schlachttier. Nun kann man sich vorstellen, dass es in der Nachkriegszeit, wo nichts auch nur einen Hauch militärisch klingen durfte, für die Reitvereine mit ihrern teils militärischen Traditionen, sehr schwer war, wieder Fuß zu fassen. 

Häuft wurde der Unterricht von den Besatzungsmächten verboten, weil man daran eine vormilitärische Übung sah. 

Noch heute kann man die militärische Herkunft der Reitlehre deutlich an der verwendeten Sprache erkennen. 

1948 wurde die Kommission für Leistungsprüfungen von Warm- und Kaltblutpferden in Westfalen (KLW) wiederbelebt. Die richtige Blütezeit der Turniere begann in den 1950er Jahren. Nach den Entbehrungen der Nachkriegszeit tat Unterhaltung gut und so war es häufig der Fall, dass selbst zu den kleinsten Turnieren an die 10.000 Zuschauer kamen. 

Schon 1947 fand in Füchtdorf ein Turnier statt, welches mehr als 13.000 Zuschauer anzog. Man traf sich auf Turnieren, die einen wichtigen Teil im gesellschaftlichen Leben darstellen. Die Reiterei war in den 50er Jahren der medaillienträchtigste Sport. Der in Warendorf ansässige Weltmeister der Springreiter, Hans Günter Winkler (verstorben), wurde zweimal zum deutschen Sportler des Jahres gewählt. 

Die größten Turniere führten nach dem Krieg folgende Vereine durch:

  • Lübbecke 
  • Lengerich
  • Vornholz
  • Minden-Ravensberg und Lippe 
  • Turnier der Sieger des Westfälischen Reitvereins in Münster
  • Turniergemeinschaft Sauerland (Balve und Neheim-Hüsten)
  • Lage-Siekkrug 
  • Bielefeld und 
  • Riesenbeck
Geschichte des Pferdesportverbandes Westfalen

Fragmente aus der Geschichte

Das offizielle Organ des Pferdesportverband Westfalen sowie das Mitteilungsblatt der KLW ist die Zeitschrift 'Reiter und Pferde' in Westfalen. Geründet wurde die Verbandszeitung als Einlegeblatt in der Landwirtschaftszeitung im Jahre 1926. Damals hieß sie noch 'Ross und Reiter'. 

Seit 1976 ist sie durch den Landwirtschaftsverlag Münster mit einer eigenen Redaktion ausgestattet. 

Es war schon richtungsweisend, dass das erste Provinzial-Turnier in Hamm gleichzeitig die Gründung des Provinzial-Verbandes bedeutete. Die Mannschaftswettkämpfe waren von Anfang an zentrale Elemente der gesamten Turnieridee. 

Das letzte Provinzial-Turnier um die Westfälische Standarte fand 1939 erneut in Hamm statt. Nach dem Krieg ging es 1949 mit neuer Standarte und dem 13. Provinzial-Turnier in Dortmund weiter. Zeitgleich feierte der Verband sein 25-jähriges Bestehen. Seit 1952 wurde um den Wanderehrenpreis des Landeshauptmanns von Westfalen geritten. Der Wettkampf fand alle zwei Jahre statt. Und 1974 ist daraus der Wettkampf um die Provinzial-Jugend-Standarte geworden.

Seit 1968 gibt es die Westfälischen Meisterschaften der Voltigierer und 1970 fanden die ersten westfälischen Meisterschaften im Reiten statt. 1979 kamen die Nordrhein-Westfälischen Fahrmeisterschaften der Groß- und Kleinpferde dazu, die im Turnus alle zwei jahre in Westfalen stattfinden. Die Distanzreiter küren seit 1985 ihre Westfalenmeister. 

Auch im Pferdesport war die Zeit des Nationalsozialismus ein dunkles Kapitel. 

Wie menschenverachtend und absurd das Naziregime  zwischen 1933 und 1945 handelte, wird nicht nur durch die Greultaten deutlich. 

Um auch die kleinste Zelle der Gesellschaft zu erreichen, wurden sämtliche Sportvereine 'gleichgeschaltet'. Das galt auchf ür die Reitvereine, die fortan 'Reiterstürme' hießen. Die Parteiorgane fühlten sich für die regimtreue Erziehung der jungen Reiter verantwortlich. Auch das Pferd und die Reiterei wurden ideologisch genutzt und missbraucht. 

Sämtliche Turniere wurden von 'Heeresangehörigen' bestritten, die 'nichtuniformierten' Reiter hatten während des Nazionalsozialismus in Westfalen keine Chancen auf sportlichen Erfolg. 

Es sollte zehn Jahre dauern, bis der Provinzial-Verband seine Arbeit wieder aufnehmen konnte.

Westfalen führt als Wappen das steigende, silberne Ross im roten Schild, das Westfalenross. Es ähnelt dem springenden Pferd der ehemaligen Provinz Hannover, das sich heute im niedersächsischen Landeswappen findet. Im Unterschied zu dem im Niedersächsischen Landeswappen verwendeten Ross zeigt der Schweif des 'Westfalenross' nach oben. 

Die Ursprünge des westfälischen Wappens liegen im Dunkeln. Im 15. Jahrhundert taucht es zum ersten Mal als Wappen des Herzogtums Westfalen der Erzbischhöfe von Köln auf. Der Überlieferung nach wird es mit dem Sachsenkönig Widukind in Verbindung gebracht. Die Erzbischhöfe und Kurfürsten von Köln drückten mit der Verwendung ihren Herrschaftsanspruch über Westfalen aus, den sie allerdings nur im Gebiet des heutigen Sauerlandes durchsetzen konnten. 

Der König von Preußen nahm 1817 das Wappen des Herzogtums Westfalen in sein Wappen auf. 1881 wurde das steigende silberne Ross auf rotem Grund offiziell als Wappen der preußischen Provinz genehmigt. Bis heute wird es im Nordrhein-Westfälischen Landeswappen geführt. 


2009 - Aus Provinzialverband wird Pferdesportverband

Nach 85 Jahren geht der Verband mit einem neuen Namen und einem zeitgemäßen visuellen Erscheinungsbild in eine Zukunft, die viele Herausforderungen, aber auch Chancen bereithält. Das Ziel jedoch bleibt bestehen: Die Menschen in Westfalen sollen durch den Pferdesportverband die Faszination des Pferdesports kennenlernen und vervollkommnen, Horsemanship erfahren und sich in Wettkämpfen messen.

Sitz des Pferdesportverbandes Westfalen ist Münster-Handorf, wo sich auch das Westfälische Pferdestammbuch, das Westfälische Pferdezentrum , die Westfälische Reit- und Fahrschule und sogar die Redaktion des Verbandszeitung „Reiter & Pferde in Westfalen“ befinden.


Texte: vgl. Sylvia von Heereman. In: 75 Jahre Pferdesport in Westfalen. Reiter und Pferde Extra. 3/99

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