Vereinsalltag während der Corona-Krise

Gute Ideen, praktische Lösungen, innovative Konzepte. Die Westfälischen Vereine haben sich einiges einfallen lassen, um der Corona-Krise nicht tatenlos gegenüber zu stehen. Ihre Aktionen sollten geteilt werden: zum Mut machen, zum Nachmachen, zum Mitmachen… Diesmal: ein Interview mit Carmen Achterkamp, Vorstandsmitglied beim ZRFV Neuenkirchen.

 

Der ZRFV Neuenkirchen im Kreis Steinfurt besteht aus über 300 Mitgliedern, davon sind mehr als die Hälfte Kinder und Jugendliche. An sechs Tagen in der Woche finden jede Menge Reitstunden statt. Welche Einschränkungen betreffen den ZRFV Neuenkirchen durch die Corona-Krise?

Es fing direkt ziemlich schmerzlich an, denn der Verein musste als einer der ersten das jährliche Turnier absagen, das an zwei Wochenenden Ende März und Anfang April geplant war. Als Nächstes mussten alle Reitstunden abgesagt werden. Und nach dem Erlass der Bundesregierung wurde schließlich die komplette Pferdesportanlage für Besucher gesperrt.

Wie gehen Sie nun mit allen Einschränkungen, Bedürfnissen und Sorgen um?

Das Problem, das wahrscheinlich bei jedem Pferdesportverein ähnlich ist: Auf der Anlage stehen acht Schulpferde und 15 Privatpferde, die versorgt und bewegt werden müssen. Glücklicherweise hat das NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz einen Leitfaden verfasst, der die Grundversorgung der Pferde sichert. Der Vorstand unseres Vereins hat schnell auf die Vorgaben des Landes reagiert und einige Maßnahmen veranlasst. So ist es natürlich eine Selbstverständlichkeit, dass alle Hygiene-Regeln auf der Anlage eingehalten werden. Die Reithalle ist jetzt generell für alle Personen gesperrt, die kein Pferd bei uns stehen haben.

Wie sieht die Regelung für die Pferdebesitzer aus?

Für die Privatpferde hat der Vorstand einen Wochenplan erstellt, der im Zwei-Stunden-Takt aufgeteilt ist. Es gibt eine ganz klare Regel, dass sich immer nur zwei Personen gleichzeitig auf der ganzen Anlage aufhalten dürfen. Zugegeben, die Erstellung des Plans war eine Herausforderung, aber nun steht er und es läuft super. Die Pferdebesitzer regeln ihre Pferde-Betreuungszeiten über eine WhatsApp-Gruppe.

Werden die Pferde weiterhin geritten?

Die Privatreiter sind informiert, dass dies nur eine Notversorgung ist und sind dazu angehalten, die Pferde nur zu bewegen und nicht zu trainieren.  Das Training wird langsam auf ein Bewegungsprogramm heruntergefahren und dementsprechend auch das Futter reduziert. Damit fällt die Umstellung für die Pferde nicht zu heftig aus, falls noch strengere Maßnahmen auferlegt werden, falls eine Ausgangssperre kommt oder jemand in Quarantäne muss. Ausritte sind zwar nicht verboten, trotzdem hat der Vorstand mit den Einstallern darüber gesprochen, dass sie derzeit besser darauf verzichten sollten. Schließlich würde es kein gutes Licht auf den Pferdesport werfen, wenn die ganze Nation auf Vereinssport verzichtet, die Reiter jedoch bei schönem Wetter durch die Siedlungen reiten. Das könnte Unverständnis und Neid hervorrufen.

Wie sieht das Leben der Pferde nun aus?

Neben dem Notbewegungsprogramm verbringen die Pferde viel Zeit auf dem Paddock.

War es problematisch, die neuen Regeln schnell umzusetzen?

Für den Vorstand war direkt klar, dass wir uns an alle Vorgaben zu halten haben. Wir stehen da auch in regelmäßigen Kontakt zur Gemeinde. Tatsächlich haben wir die neuen Regeln sehr schnell und unproblematisch umgesetzt. Lediglich die Zwei-Kontakte-Regel hat uns etwas verunsichert. Die Einstaller haben trotz Verständnis für die Maßnahmen natürlich auch Angst, wie es jetzt weitergeht, verhalten sich aber alle sehr kooperativ und halten sich an die Vorgaben. Ein großes Problem stellt das bevorstehende Ausmisten dar. Da ist nun wirklich „Einzel-Power“ angesagt: Die Anlage wird für diese Zeit gesperrt und es kommen zwei Personen von einem Lohnunternehmen. Mein Mann und ich erledigen die Aufgaben, die sonst vier bis fünf Helfer machen.

Wird der Verein kontrolliert, ob alle Maßnahmen eingehalten werden?

Direkt neben der Reitanlage befinden sich ein See und andere Sportstätten. Daher kommt das Ordnungsamt bei seiner Runde regelmäßig auch bei uns vorbei. Aber wer sich so vorbildlich verhält wie unsere Mitglieder, hat auch nichts zu befürchten. 

Wie sieht es finanziell für den Verein während der Krise aus?

Als Kassenwartin mache ich mir natürlich große Sorgen. Die fehlenden Einnahmen durch den abgesagten Schulbetrieb machen sich schon jetzt bemerkbar und die acht Schulpferde fressen weiter. Aber auch sonst gibt es einige laufende Kosten auf einer Pferdesportanlage. Für die Zukunft mache ich mir jetzt schon mal einige Gedanken, wie man die fehlenden Einnahmen wieder reinholen kann. Aber auch das kriegen wir irgendwie schon hin!

 

Beim ZRFV Neuenkirchen verbringen die Pferde nun viel Zeit auf dem Paddock.   Foto: Judith Schleicher

Mit Zuversicht durch die Corona-Krise