Trauer um Reinhard Milchers

Völlig unerwartet wurde Reinhard Milchers aus Gütersloh am 2. Januar 2026 aus dem Leben gerissen. Der vielfältig engagierte Westfale wäre im kommenden Winter 70 Jahre alt geworden.

Für den westfälischen Pferdesport beginnt das neue Jahr mit einem tieftraurigen Kapitel.  Im Alter von nur 69 Jahren verstarb Reinhard Milchers aus Gütersloh. Mit ihm verliert der Pferdesport eine prägende Persönlichkeit, die sich mit außerordentlich viel Herzblut und unermüdlichem Einsatz um die Jugendförderung und viele weitere Themen gekümmert hatte.

Seine Liebe zu den Pferden hatte der Ostwestfale schon in frühen Kindertagen entdeckt. Noch bevor er das erste Mal die Schulbank drückte, verbrachte er gern Zeit beim Nachbarsjungen, dessen Eltern Pferde züchteten. Die große Anziehungskraft, die der damals fünfjährige Reinhard beim Anblick der Pferde verspürte, sollte ihn nie wieder verlassen und Zeit seines Lebens Motivation für ein herausragendes Engagement werden. So hatte er Jahrzehnte später einmal auf die Frage nach der Antriebskraft für seinen vielfältigen Einsatz bekräftigt: „Die Faszination Pferd! Ich wüsste gar nicht wie es ohne Pferde gehen würde.“

Seine sportliche Heimat fand Reinhard Milchers im Reitverein Herzebrock-Rheda, unter dessen Flagge er in seiner Jugend im Turniersport unterwegs war. Dabei fühlte er sich in allen Disziplinen wohl. Später hatte Reinhard Milchers sich zusätzlich im Reitverein Sundern-Spexard engagiert, dem seine Frau Sabine angehört und dessen Reitanlage nur einen kleinen Spaziergang vom Heim der Familie Milchers entfernt liegt. Die beiden teilten ihre Leidenschaft für die Pferde und erfreuten sich besonders an ihrem gemeinsamen Herzenspferd, der selbstgezogenen Westfalenstute Favienne (von Fürst Piccolo).

Schon früh hatte Reinhard Milchers sich für die Aufgaben eines Turnierrichters interessiert und diese Laufbahn eingeschlagen. Nachdem er 1982 auf die Nachwuchsrichterliste aufgenommen wurde, legte er drei Jahre später seine Richterprüfung ab. Im Laufe der Zeit bildete er sich zum Technischen Delegierten weiter und qualifizierte sich als FEI-Steward. In dieser Rolle fand man ihn über viele Jahre etwa am Rande des Vorbereitungsplatzes beim „Preis der Besten“, bei den Warendorfer Bundeschampionaten oder bei den zahlreichen Hengstleistungsprüfungen, die er gern begleitet hatte.

Beruflich war der studierte Betriebswirt fast sein gesamtes Arbeitsleben lang für einen großen Konzern tätig. Nach seinem Ausstieg dort wechselte er im Rahmen eines zeitlich befristeten Projektes zunächst zum Pferdesportverband Westfalen und anschließend zur Deutschen Reiterlichen Vereinigung, wo er bis zuletzt eine wertvolle Stütze in der Abteilung Ausbildung war. Er hatte sich dort im Schulterschluss mit der Deutschen Richtervereinigung und den Pferdesport-Landesverbänden intensiv um die Ausbildung der Turnierfachleute gekümmert, die mit Reinhard Milchers stets eine außerordentlich versierte und immer freundliche Ansprechperson fanden. Bei der Überarbeitung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung hatte der Experte für das Richterwesen das entsprechende Kapitel des FN-Regelwerks betreut. Zahlreiche Richterinnen und Richter haben ihn im Rahmen ihrer Qualifizierungen persönlich kennenlernen dürfen.

Sein ehrenamtliches Wirken reichte indes weit über die Vereinsebene hinaus. So hatte sich Reinhard Milchers über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten im Vorstand seines heimischem Kreisreiterverbandes Gütersloh engagiert, wo er zunächst als Jugendwart, später als stellvertretender Geschäftsführer und schließlich als Sportwart aktiv war. 2018 hatte er dort nicht mehr erneut für ein Amt kandidiert und war auf seinen eigenen Wunsch aus dem Kreisverbands-Vorstand ausgeschieden. Zu diesem Anlass war Reinhard Milchers seinerzeit für seine bisherigen Verdienste um den westfälischen Pferdesport mit der Silbernen Verdienstplakette des Pferdesportverbandes Westfalen ausgezeichnet worden.

Im Pferdesportverband Westfalen setzte er sein unermüdliches Wirken fort. Der Schwerpunkt seines Engagements lag im Jugendbereich, dem er sich aus tiefster Überzeugung widmete. Begonnen hatte er seine Tätigkeit im Jahr 2008, als der Jugendtag ihn zum Sprecher des damaligen Fachbeirats Ponyreiten wählte. Vier Jahre später trat er an der Seite von Christa Middendorf das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der Westfälischen Pferdesportjugend an, die sich im Jahr zuvor mit einer neuen Jugendordnung und einem klaren Ressortprinzip neu ausgerichtet hatte. 2018 übernahm er schließlich den Vorsitz und führte die Westfälische Pferdesportjugend bis zu seinem Tod. Als Vertreter der Jugend gehörte er in dieser Zeit der Kommission für Pferdeleistungsprüfungen, dem Ausschuss Leistungssport und dem Präsidium des Pferdesportverbandes Westfalen an, wo er die Interessen der jungen Generationen mit großer Motivation, Weitblick und Überzeugungskraft vertrat. Zusätzlich engagierte er sich im Disziplinbeirat Dressur, der gleichzeitig als Sichtungsgremium in dieser Disziplin wirkt.

Im Frühjahr 2026 hätte Reinhard Milchers als Vorsitzender der Pferdesportjugend seinen Hut nehmen und nicht mehr für eine Wiederwahl kandidieren wollen – so hatte er es schon vor geraumer Weile abgemacht und von langer Hand konsequent vorbereitet. Es wäre ein außerordentlich wertschätzender Abschied geworden, der mit großer Dankbarkeit einen ehrenvollen Schlussstrich unter ein umfassendes ehrenamtliches Lebenswerk gezogen hätte.

Es ist nur schwer zu begreifen, dass es dazu nun nicht mehr kommen kann. So bleibt für seine Weggefährten der dankbare Blick auf die immer angenehme, von Empathie und Loyalität geprägte und stets in die Zukunft gerichtete Zusammenarbeit – und die Erinnerung an einen Menschen, der sich so unbändig freuen konnte, über große Medaillenerfolge ebenso wie über kleine bewältigte Schritte.

„Der plötzliche Tod von Reinhard Milchers hat uns alle erschüttert“, sagt Rudolph Herzog von Croÿ, Präsident des Pferdesportverbandes Westfalen. „Wir trauern nicht nur um einen sehr engagierten, kompetenten Vertreter unserer Jugend. Wir trauern ebenso um den Verlust einer außerordentlich liebenswerten Person, mit der wir sehr gern zusammengearbeitet haben. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Sabine und allen Angehörigen und Freunden. Wir werden Reinhard Milchers immer in guter Erinnerung behalten.“

Bild: Dominik Braun

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