Das war die Westfälische Ausbildertagung 2026
Münster (PV). Es war in vielerlei Hinsicht eine besondere Ausgabe der jährlichen Trainerzusammenkunft. Neben dem kleinen „Dienstjubiläum“ und den bundesweiten Gästen, die als Partner der FN-Schulpferdeinitiative angereist waren, griff die Tagung inhaltlich neue Themen auf. So lud sie zu einem Blick über den Tellerrand des Pferdesports ein und wartete mit einem „Impulsgewitter“ auf, das die Themen Ausbildung und Jugend miteinander verband. Ein Novum war zudem die Inbetriebnahme des neuen Gästehauses, das seine Türen für den Infomarkt und die von kollegialen Gesprächen geprägten Pausenzeiten geöffnet hatte.
Reiten meets Judo: Vom Umgang mit Werten
Gleich zu Beginn wartete ein spannendes Novum auf die gut 100 Gäste. Erik Goertz, Geschäftsführer und Bildungsreferent des Nordrhein-Westfälischen Judo-Verbands, inspirierte mit seinem offenen Impuls zur Wertevermittlung im Judosport. „Wir haben ausgeprägte Rituale im Judo, zum Beispiel verbeugen wir uns vor jedem Kampf voreinander. Am Anfang machen die Kinder das einfach nur nach, doch dann entwickelt sich daraus eine innere Haltung, die aus jedem Gegner einen Partner werden lässt.“ Im Verlauf seines Vortrags griff der Judo-Experte viele weitere Beispiele auf und warf auch einen kritischen Blick auf Vorfälle und Skandale. Ausgeübt von Einzelpersonen werfen sie ihre Schatten auf die gesamte Sportart. Darin unterscheiden sich Sportarten nicht.
Martin Plewa, Reitmeister und langjähriger, ehemaliger Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule, griff in seinem Impuls zur Werteorientierung auch die Entstehungsgeschichte der „Ethischen Grundsätze“ auf und erinnert an die „Potsdamer Resolution“, die in den frühen 80er-Jahren eine Reaktion auf den damaligen Barr-Skandal war. Mit vielen weiteren Beispielen untermauerte Martin Plewa, wie das fundierte, sichere Verständnis über die Natur des Pferdes die Orientierungspunkte für den Umgang mit ihm und für seine Nutzung vorgibt. Im Anschluss lud Moderator Björn Küper, der die Tagung federführend konzipiert hatte, die Tagungsgäste dazu ein, ihre Positionen zum Thema zu teilen und Standpunkte auszutauschen, was gern und mit vielen wertvollen Beiträgen angenommen wurde. Der inspirierende Vormittag mündete in einem anschließenden Praxisimpuls, in dem Martin Plewa beispielhaft Situationen der frühen reiterlichen Ausbildung aufgriff und wertvolle Ansatzpunkte für deren Gestaltung setzte.
Eng verknüpft: Jugendbildung und Ausbildung
Erstmals präsentierte sich die Westfälische Pferdesportjugend im Rahmen der Ausbildertagung. In dem „Impulsgewitter“ genannten Block nach der Mittagspause stellten ehrenamtliche Mitglieder des Jugendvorstandes und hauptamtliche Mitarbeiterinnen des Jugendteams Bildungsprojekte aus dem Alltag der Jugendarbeit vor, darunter frühe Qualifizierungsmöglichkeiten, etwa zum Nachwuchstrainerassistent oder Juniormanager. Weiterhin ging es um Kooperationen mit Schulen, exemplarisch dargestellt an der Zusammenarbeit des RFV „St. Georg“ Saerbeck mit der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule. Ebenso wertvoll sind Projekte mit Kindergärten, die beispielsweise gemeinsam ein niederschwelliges „Kibaz mit Pony“ durchführen können. Mit Blick auf den Übergang vom Schulpferdebereich in den Turniersport stellte die Löhner Reitgemeinschaft Am Osterfeld ihr innovatives und erfolgreiches Konzept dazu vor. An dazugehörenden Stationen im neuen Gästehaus hatten Interessierte die Möglichkeit, zu den vorgestellten Gute-Praxis-Beispielen aus dem Jugendbereich ins Gespräch zu kommen.
Bewegungslernen mit Imke Schuon
Mit ihrem Theorie-Impuls eröffnete die Expertin für Funktionelles Bewegungstraining den Nachmittag. Die Physiotherapeutin und Buchautorin im FN-Verlag war bereits bei früheren Ausbildertagungen zu Gast und fesselte die Teilnehmenden einmal mehr mit ihrem inspirierenden und motivierenden Vortrag zu den biomechanischen Grundlagen des Reitsitzes. Ein lebhafter Austausch über verschiedene Möglichkeiten zur Förderung der athletischen Grundausbildung im Basisbereich begleitete den Theorieteil. Für den anschließenden Praxistransfer ging es bei wunderbar goldener Herbstsonne auf den Außendressurplatz, wo Reitschülerinnen der Westfälischen Reit- und Fahrschule als Probanden zur Verfügung standen. Unter Anwendung von Aspekten des funktionellen Bewegungstrainings wurden fundierte Ansatzpunkte für ihre individuelle Basisausbildung erarbeitet. Schnell stellten sich deutliche Erfolge ein und untermauerten eindrucksvoll, wie sich mit vermeintlich kleinen Änderungen viel erreichen lässt.
Im kommenden Jahr findet die Westfälische Ausbildertagung am Samstag, 25. September 2027 statt.
Bild:
unten links: Martin Plewa, Erik Goertz und Moderator Björn Küper im Gespräch zur Wertebildung im Sport
unten rechts: Der westfälische Jugendvorstand bereicherte die Tagung mit Impulsen und einem Jugend-Infomarkt
oben: Am Nachmittag gestaltete Imke Schuon einen wertvollen Praxisteil rund um die Basisausbildung

Das war die Westfälische Ausbildertagung 2026
