Ausgezeichnet: Dr. Heinrich-Georg Hassenbürger

Im Rahmen der Westfälischen Delegiertentagung 2026 verabschiedete sich Dr. Heinrich-Georg Hassenbürger von seinem Amt als Tierschutzvertrauensperson in der Kommission für Pferdeleistungsprüfungen. Der Pferdesportverband Westfalen würdigte sein großes Engagement zu diesem Anlass mit der Silbernen Verdienstplakette, die ihm von Rudolph Herzog von Croÿ und Laudator Heinrich Plaas-Beisemann überreicht wurde.

Münster (PV). Dass er einmal Tierschutzvertrauensperson für die westfälische Landeskommission werden und diese Aufgabe für mehr als zwei Dekaden prägen würde – diese Option hatte Heinrich-Georg Hassenbürger  garantiert nicht im Sinn, als er nach dem Ende seiner Schulzeit überlegte, wohin sein Weg ihn führen sollte. Um ehrlich zu sein: Diese Position gab es zu der Zeit auch noch gar nicht. Sie sollte sich erst später etablieren und es würde sich noch erweisen, dass er sie maßgeblich ausgestalten würde.

Zunächst zog es den gebürtigen Ostwestfalen, dessen persönliche Pferdesportbiografie im Reiterverein St. Georg Salzkotten wurzelt, in die Tierarztpraxis von Hartmut Kluge in Bentfeld (heute ein Stadtteil von Delbrück). Dort absolvierte er ein Praktikum. „In seiner Praxis wurden nicht nur Pferde behandelt, sondern auch Nutztiere wie Schweine und Kühe. Bis heute ist mir bewusst, wie sehr mich die Haltung von Dr. Kluge gegenüber dem Tier geprägt hat“, erinnert sich Heinrich-Georg Hassenbürger an eine frühe Zeit der beruflichen ethischen Weichenstellung. Später wechselte er in eine Klinik in Wattenscheid und absolvierte in der Zeit von 1978 bis 1981 eine Ausbildung zum Tierarzthelfer. „Ich habe dort viele Dinge von der Pike auf gelernt und erst im Anschluss mein Tiermedizin-Studium in Hannover begonnen“. Ein Studienaufenthalt in Davis / Kalifornien und die spätere Promotion im Themenfeld der Lungenerkrankungen gingen dem beruflichen Einstieg in der Dortmunder Tierklinik Waldhügel von Dr. Schüle voraus. Es folgte die fachtierärztliche Weiterentwicklung im Bereich der Pferdeheilkunde und Chirurgie. „Dr. Schüle verdanke ich sehr viel“, blickt Dr. Heinrich-Georg Hassenbürger mit großer Wertschätzung auf die Zusammenarbeit zurück und bezieht dabei neben der beruflichen Perspektive auch den Beginn seines Engagements in der Landeskommission mit ein.

In den 90er-Jahren folgte schließlich der Schritt in die Selbstständigkeit und die Gründung einer eigenen Praxis, die Dr. Hassenbürger viele Jahre lang mit Herzblut betrieben hat. Die Praxis blieb nicht der alleinige berufliche Ankerpunkt, denn die Familie entschied zu einem späteren Zeitpunkt, das ebenfalls bestehende Familienunternehmen fortzuführen, das im Bereich der Logistik zu Hause ist. Auch hier übernahm Dr. Hassenbürger Verantwortung, die er zuletzt nach und nach an seine drei Kinder übergeben hat.

Überhaupt: Heinrich-Georg Hassenbürger ist ein Familienmensch durch und durch. Die Liebe zu den Pferden teilte er mit seiner 2014 verstorbenen Frau Jutta und so wurde die Leidenschaft für den Pferdesport den beiden Söhnen Christoph und Philipp sowie der Tochter Carlotta quasi in die Wiege gelegt. Die drei sind nicht nur mit den Pferden groß geworden, sondern haben sich auch die sprichwörtlichen Sporen verdient. So gewann beispielsweise Tochter Carlotta mit der unvergessen Ponystute Dulcia  zweimal Mannschaftsgold und einmal Einzelsilber bei den Pony-Europameisterschaften, die Söhne nahmen lieber noch im Springsattel Platz und genossen das Reiten im Parcours. Auch die Familie seiner Frau war und ist den Pferden und dem Sport auf das Engste verbunden und so ist es kein Wunder, dass sich auf dem heimatlichen Hof Familiengenerationen ebenso wie Pferdegenrationen tummeln, denn gezüchtet wird ebenfalls mit großer Freude und fundiertem Sachverstand. „Zucht kann einen erheblichen Beitrag zum Tierschutz leisten, etwa indem manche Erkrankungen mit einer erblichen Disposition nach und nach aus der Pferdepopulation eliminiert werden“, unterstreicht Dr. Hassenbürger die modernen züchterischen Möglichkeiten und nimmt den sich gelegentlich zuspitzenden Diskussionen den Wind aus den Segeln.

Es ist vielleicht gerade diese Vielfalt der Perspektiven, die das Wirken von Dr. Heinrich-Georg Hassenbürger in der Rolle des Tierschutzbeauftragten geprägt hat. Allen voran natürlich der Blick des Veterinärmediziners und FEI-Tierarztes, aber ebenso die Perspektive des Reiters, Züchters oder Vaters reitender Kinder. Nicht zuletzt ist es die Erfahrung als langjähriger Vereinsvorsitzender des Ländlichen ZRFV Volmarstein, die sein Verständnis des Pferdesports bereichert. 23 Jahre hatte er diese vereinsprägende Position inne und seine Weggefährten im Vorstand schätzen ihn ganz besonders für seine stets ruhige, überlegte und verlässliche Lösungsorientiertheit. In diesem Jahr wird der mitgliederstarke, vielseitig ausgerichtete Verein im Kreisreiterverband Ennepe-Ruhr-Hagen sein einhundertjähriges Jubiläum feiern, das er noch intensiv begleiten wird. Die Schlüsselrolle des Vorsitzenden indes hat er im vergangenen Jahr an seinen Sohn Philipp abgegeben.

Sein ehrenamtliches Engagement in der westfälischen Landeskommission beendet Dr. Hassenbürger nun aus eigenem Wunsch. „Ich gehe tatsächlich mit zwei lachenden Augen“, zieht eine Persönlichkeit ihren Schlussstrich unter ein langjähriges Engagement, die dazu völlig mit sich im Reinen ist. „Ich bin fest davon überzeugt, dass man dem Sport für eine gewisse Zeit etwas zurückgeben kann. Das habe ich sehr gern getan und ich beende das mit dem sehr sicheren Gefühl des richtigen Moments. Die Arbeit hat mir wirklich Freude bereitet, auch wenn es bisweilen schwerwiegende Themen zu bearbeiten galt. Aus meiner Sicht ist die KLW ein außerordentlich wertvolles Gremium, das Situationen und Veränderungserfordernisse mit fundierter Meinungspluralität einordnet und dabei unter dem Strich immer zu sachorientierten, gut begründeten Lösungen kommt - und es dabei nicht unterlässt, den gesellschaftlichen Wandel und den sich verändernden Blick auf das Pferd und den Pferdesport einzubeziehen“, zieht er seine Schlussbilanz unter ein Wirken, dass im Übrigen nicht auf Westfalen beschränkt war, sondern vielmehr auch die Mitwirkung in FN-Gremien umschloss.

Langweilig wird ihm auch ohne sein ehrenamtliches Engagement im Sport garantiert nicht und die nächste Herausforderung steht bereits vor der Tür. „Im September breche auf, die Welt zu umsegeln,“ freut sich der natur- und freiheitsliebende Heinrich-Georg Hassenbürger auf eine neue Lebensphase, die ordentlich Wind um die Nase verspricht. Drei Jahre soll die Reise dauern, Heimataufenthalte eingeschlossen. Wer ihn kennt, wünscht ihm dazu von Herzen jederzeit die benötigte Handbreit Wasser unter dem Kiel. 

Auf dem Foto (v.l.n.r.): LK-Vorsitzender Heinrich Plaas-Beisemann, Dr. Heinrich-Georg Hassenbürger, PV-Präsident Rudolph Herzog von Croÿ.

Silberne Verdienstplakette für Dr. Heinrich-Georg Hassenbürger

Silberne Verdienstplakette für Dr. Heinrich-Georg Hassenbürger