Abschied von Editha Ludewig

Am 31. März 2026 vollendete Editha Ludewig aus Warendorf nach 45 überaus engagierten Jahren zum Wohl des Turniersports ihr berufliches Wirken für den Pferdesportverband Westfalen. Kollegen und langjährige Weggefährten haben sie mit einem großen Dankeschön verabschiedet.

Münster (PV). Es war im Dezember 1980 als eine damals Siebzehnjährige aus Weiberg, einem heutigen Stadtteil von Büren im Kreis Paderborn, zu ihrer beruflichen Reise im Pferdesport aufbrach. „Reise“ darf man dabei getrost wörtlich nehmen. Und das kam so: Editha Ludewig stand kurz davor, die Höhere Handelsschule abzuschließen, als ihr eine Annonce auffiel, die in „Reiter und Pferde in Westfalen“ abgedruckt war. Das Westfälische Pferdestammbuch und der Provinzial-Verband westfälischer Reit- und Fahrvereine, beide beheimatet in der Engelstraße zu Münster, boten einen Büro-Ausbildungsplatz an. „Moment mal, Pferde?“ Mehr brauchte es nicht, damit der Zündfunke übersprang – der Rest ist Geschichte.

Woher Editha Ludewigs Passion für die Pferde rührte? „Das konnte sich eigentlich niemand so richtig erklären“, erinnert sie sich an ihre Kindheit. In der Familie, die in Weiberg einen Gasthof betrieb, gab es jedenfalls keine Berührungspunkte zu den Vierbeinern. „Aber unser Nachbar, der hatte Ponys. Und wenn man mich suchte, war ich im Zweifel dort zu finden. Später habe ich im Bürener Reitverein auf den Schulpferden das Reiten gelernt. Unsere Ausbilderin Sylvilie Herting hat für eine wirklich fundierte Basisausbildung gesorgt und ist mit uns und den Schulpferden sogar aufs Turnier gefahren. Das war auch zu der damaligen Zeit überhaupt nicht selbstverständlich“, zollt Editha Ludewig dem Engagement ihrer früheren Reitlehrerin bis heute großen Respekt. Das Gelernte konnte sie gut anwenden, etwa, als sie bei der Züchterfamilie Gockel half und sich mit den jungen Pferden beschäftigte.

Ein Weggefährte aus Kindertagen ist Uwe Hüser, Vorsitzender des Kreisreiterverbandes Lippstadt, der ebenso wie Editha Ludewig in dem kleinen Örtchen Weiberg aufgewachsen ist. „Ich kenne Editha seit der Grundschule, die wir gemeinsam besucht haben. Schon damals war völlig klar: Wenn irgendwo Pferde auftauchten, war Editha garantiert schon vor Ort. Sie hat schon damals gesagt, dass sie „irgendwas mit Pferden“ machen werde.“ Wer sie kennt, vermutet richtig, dass sie schon damals nach der Maxime lebte: Die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit kann geschlossen werden – mit Zielstrebigkeit, Beharrlichkeit und einer notfalls kleinen Ansage an alles, was sich in den Weg stellen könnte.

Das führt dann wieder zurück zum Vorstellungsgespräch in der Engelstraße. Der Legende nach überzeugte Editha Ludewig den damaligen Büroleiter Alfons Terdenge schon allein damit, dass sie nach einer wahren Umstiegs-Odyssee mit Bus und Bahn den Weg vom heimischen Weiberg bis in die Engelstraße fand. Der Ausbildungsvertrag wurde unterschrieben und es begann ein berufliches Lebenswerk, das sich nun am 31. März 2026 vollendet hat. Ihren Lebensmittelpunkt hatte Editha Ludewig mit Beginn ihrer Ausbildung nach Warendorf verlegt, wo sie bis heute zu Hause ist. „Ich war zu der Zeit noch minderjährig und so wurde Bürokollegin Waltraud Kulla gebeten, ein „Auge auf mich zu haben“ – für ihre gute Unterstützung bin ich ihr bis heute dankbar“, blickt sie auf ihre Lehrjahre zurück. Nach Abschluss der Ausbildung wurde sie vom Provinzial-Verband westfälischer Reit- und Fahrvereine übernommen, dem sie - mit Ausnahme eines nur wenige Wochen währenden Intermezzos- ihr gesamtes Berufsleben über die Treue hielt.

In dieser Zeit hat sie ungezählte Meilensteine der Turniersportentwicklung begleitet, nicht wenige davon selbst ins Leben gerufen und stets unermüdlich an Verbesserungsmöglichkeiten getüftelt. Viele davon haben mit der Digitalisierung des Reitsports zu tun, deren ersten Schritte sich bis in das Zeitalter der DOS-Programme zurückverfolgen lassen. Editha Ludewig war von Beginn an dabei und sie hat es sich stets zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, wie die elektronischen Prozesse den Sport unterstützen und komfortabler machen konnten. „Mir hat es dabei sehr geholfen, dass ich von Beginn an in Turnierveranstaltungen integriert war, etwa in die Hallenturniere in Münster und Dortmund“, betont die Praktikerin, die alle Aspekte der Turnierorganisation einschließlich der Melde- und Rechenstellenarbeit aus dem Effeff kennt.

In ihrer aktiven Reitlaufbahn hat sie selbst an Turnieren teilgenommen und kennt dementsprechend die Perspektive der Reiter auch aus eigener Erfahrung. Ihre reiterliche Laufbahn beinhaltete schließlich die erfolgreiche und sehr gut abgelegte Prüfung zum Reitwart. Clemens Brüggemann, der ihren reiterlichen Werdegang längere Zeit begleitet hat, erinnert sich gut daran. Auf Editha Ludewig angesprochen kommt dem Westfalen aber auch eine andere Sache ganz besonders in den Sinn. „Editha hat sich unglaublich für die Jugend eingesetzt. Zum Beispiel war sie im Reitverein Milte als Jugendwartin aktiv und hat mit den Kindern richtig was losgemacht“, beleuchtet der langjährige, frühere Kollege eine Seite der Turniersportexpertin, die vielleicht weniger bekannt ist.

Im Pferdesport ist Editha Ludewig schon längst nicht mehr „nur“ in Westfalen aktiv. Als gefragte Profi-Meldestelle hat sie sich ein zweites Standbein erarbeitet und ist national wie international unterwegs. „In diesem Jahr begleite ich meine fünfte Weltmeisterschaft“ freut sie sich auf die kommenden Monate und schnell ist klar: Die Art von Ruhestand, die mit einem blütenweißen Kalender zu tun hat, wird es bei Editha Ludewig nicht werden. „Was mir Spaß macht, mache ich weiter“, zieht eine Persönlichkeit einen Schlussstrich unter ihr Berufsleben, die auch im neuen Lebensabschnitt garantiert weiß, wie sie ihre Tage gestalten möchte. Dazu gehört unverkennbar das Reisen. Im Rahmen von internationalen Turnieren oder einfach so. Besonders Großbritannien und allen voran London oder auch Dublin hat es der 62-jährigen angetan. Dort und an jedem anderen Platz der Welt wünschen ihre Kollegen und Weggefährten Editha Ludewig das Allerbeste – und zwischendurch auch mal einen Moment des Innehaltens und des Genießens.

Abschied von Editha Ludewig

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