FAQ zum Equinen Herpesvirus

Die Sammlung der folgenden Fragen erfolgte Anfang März 2021 im unmittelbaren Zusammenhang mit Herpes-Infektionen im spanischen Valencia. Sie wurden im Rahmen eines Online-Seminars von den Teilnehmenden gestellt und im Nachinein um wenige Aspekte ergänzt.

Nein. Eine Quarantäneverpflichtung könnte nur von den zuständigen Behörden ausgesprochen werden. Herpes ist jedoch keine meldepflichtige oder anzeigenpflichtige Erkrankung, ein Ausbruch wird dementsprechend nicht engmaschig staatlich kontrolliert.

Da unklar ist, ob (ggf. wo) die Herpesinfektion sich in Deutschland weiter verbreitet, haben die Verbände in Deutschland zum Schutz der Pferde alle Turniere und auch Lehrgänge, Sichtungen und Zuchtveranstaltungen der Verbände bis zum 28. März 2021 abgesagt. Diese Maßnahmen strahlen nicht automatisch auf alle Pferdesportstätten aus.

Es liegt daher in Händen der verantwortlichen Vereinsvorstände und Betriebsleiter, vorsorglich Schutzmaßnahmen zu ergreifen und entsprechende Regeln aufzustellen.

Das Herpes-Virus ist in der Pferdepopulation weit verbreitet. Mehr als 80 Prozent der Pferde tragen es latent in sich. Es kann daher immer zu Ausbrüchen kommen, besonders im Winter/Frühjahr. Eine konsequente Grundhygiene ist darum zu jeder Zeit sinnvoll und notwendig.

Zum FN-Hygieneleitfaden

Es gibt jedoch verschiedene Erscheinungsformen des Virus, darunter auch die besonders aggressive, die in Valencia bei erkrankten Pferden die gefürchteten neurologischen Symptome ausgelöst hat.

Es ist nicht auszuschließen, dass das in Valencia gefundene Virus eine Mutation zum EHV-1 ist. Ergebnisse stehen derzeit aus.

Die Übertragung erfolgt primär in Form einer Tröpfcheninfektion. Unmittelbare Kontakte eines infizierten und akut ansteckenden Pferdes mit anderen Pferden sind daher besonders risikoträchtig. Auch Pferde im nahen Umfeld, beispielsweise auf derselben Stallgasse, können angesteckt werden.

Ja. Das Virus kann beispielsweise an Händen und Materialen anhaften und auf diesem Weg über Personen oder Gegenstände übertragen werden.

Dazu gibt es keine genauen, wissenschaftlich belegten Zeitfenster. Es kann als sicher angenommen werden, dass es (abhängig von z.B. den Umgebungstemperaturen und der Menge des Viruspartikel) zwei bis drei Stunden sind.

Das ist möglich, wenn die Person zuvor in einem betroffenen Stall war und Kontakt zu einem infektiösen Pferd hatte. Konsequente Hygiene und Infektionsschutz und verantwortliches Handeln aller Personen sind daher unabdingbar.

Derzeit fehlt dazu der wissenschaftliche Beweis. Die Vermutung liegt aber nahe, dass eine Übertragung durch andere Tiere (Hunde, Katzen, Schadnager etc.) nicht möglich ist.

Ja. Nicht der Kot selber, aber anhaftende Schleimhautreste sind dazu fähig, ebenso der ausgeschiedene Urin eines infizierten Pferdes.

Diese Frage zielt besonders auf benachbarte Pferdehaltungen ab, deren Weiden aneinander angrenzen oder in nur geringer Distanz zueinander liegen. Auch Personen, die beispielweise bei Ausritten fremde Pferdebestände passieren, können sich diese Frage stellen.

Die Distanz, die infektiöse Tröpfchen zurücklegen können, beträgt in Abhängigkeit von der aktuellen Windsituation ca. 10-30 Meter.

Personen, die von Hof zu Hof fahren, (beispielsweise mobile Ausbilder, Hufschmiede oder Pferde-Physiotherapeuten) sollten in Abhängigkeit zu ihrer jeweiligen Tätigkeit besondere Hygienemaßnahmen ergreifen. Dazu gehört eine gründliche Händehygiene (sorgfältiges waschen, desinfizieren), desinfizieren des verwendeten Werkzeugs/Materials und idealerweise auch das Umziehen.

Wichtigstes Symptom ist eine erhöhte Körperinnentemperatur. Macht das Pferd einen abgeschlagenen Eindruck, hustet es oder hat Nasenausfluss, sollte daher unbedingt die Körperinnentemperatur gemessen werden.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört das regelmäßige und konsequente Fiebermessen.

Ab einem Wert von 38,5 Grad Celsius spricht man von erhöhter Temperatur, danach von Fieber. Der Tierarzt sollte verständigt und das betroffene Pferd möglichst isoliert werden. Auch bei den Pferden, die Kontakt zum erkrankten Pferd haben, sollte die Körpertemperatur engmaschig (zwei bis fünf mal täglich) kontrolliert werden.

Vorsorglich ist ein entsprechendes Fieber-Monitoring auch dann sinnvoll, wenn in der näheren Umgebung Infektionen aufgetreten sind.

Alle wichtigen Maßnahmen sind ausführlich im Hygiene-Leitfaden der Deutschen Reiterlichen Vereinigung beschreiben.

Zum Hygiene-Leitfaden

Insgesamt dauert eine Infektion von der Ansteckung über die Inkubation, das klinische Auftreten der Symptome und der dann stattfindenden Heilung ca. vier Wochen. Diese Werte sind individuell jedoch sehr variabel.

Das wird maßgeblich von der Entwicklung der Situation abhängen. Das Absagen von Veranstaltungen und die konsequente Einhaltung der Hygieneregeln durch alle Beteiligten lässt hoffen, dass eine Verlängerung der Einschränkungen nicht notwendig wird. Die Entscheidung darüber wird aber erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich sein.

Eine Herpes-Virusinfektion des Pferdes kann labordiagnostisch mit einem PCR-Test nachgewiesen werden. Dazu entnimmt der Tierarzt eine entsprechende Probe mit einem Tupfer und eine Blutprobe. Die Ergebnisse liegen nach 2-6 Tagen vor. Es sind dann weiterte Untersuchungen (z. B. Blut Antikörper) nach einigen Wochen notwendig. Ein negativer PCR-Test schließt eine Infektion zu 95% aus. Ein negativer Test schließt eine Übertragung des Virus durch das getestete Pferd auf andere Equiden nicht aus.

Ja. Es wird jedoch empfohlen, organisatorische Maßnahmen zu ergreifen, um das Risiko möglicher Übertragungen möglichst gering zu halten.

Kontakte zwischen eingestallten Pferden und Fremdpferden sollten sorgfältig vermieden werden. Beispielsweise sollten die anreisenden Pferde den Stalltrakt / Waschboxen etc. nicht betreten. Das Satteln / Ausrüsten der Fremdpferde sollte möglichst am Transportfahrtzeug erfolgen. Im Idealfall werden für die Nutzung der Reitflächen feste Zeiten vergeben, damit sie von eingestallten und fremden Pferden nicht zeitgleich genutzt werden müssen.

Mindestens muss strikt darauf geachtet werden, dass die Pferde keinen unmittelbaren Kontakt zueinander haben (beschnuppern, nebeneinander Schritt reiten).

Es sollten auch hier organisatorische Maßnahmen ergriffen werden, die dazu beitragen, das Infektionsrisiko zu senken.

Kontakte zwischen Pferden aus verschiedenen Beständen sollte vermieden werden. Dazu kann es beispielsweise sinnvoll, die Nutzungszeiten für Pferde aus unterschiedlichen Heimatställe zu koordinieren.

Gemeinsam genutzte Räumlichkeiten oder Einrichtungen zum Vor- und Nachbereiten der Pferde (Sattelplatz, Waschbox) sollten möglichst nicht genutzt oder nach der Nutzung desinfiziert werden. Alle Nutzer sollten sorgfältig und in verständlicher Form über die die Infektionsschutzmaßnahmen und Regeln informiert sein.

Eine gute Kommunikation der Regeln ist ein sehr maßgeblicher Baustein des Gesundheitsschutzes.

Link zu Muster-Aushängen

Den Stallbereich sollten nur Personen betreten, die für die Versorgung und das Bewegung der Pferde zwingend erforderlich sind. Dies entspricht derzeit ohnehin den Regelungen, die im Zusammenhang mit den Coronabeschränkungen bestehen.

Ja. Es sollten aber unbedingt die aktuellen Hygiene- und Infektionsschutzregeln eingehalten werden. Dazu gehört die gute Händehygiene, die bekanntlich auch aus Coronaschutzgründen zwingend erforderlich ist. Die Kontaktaufnahme zwischen Kind und Pferd sollte auf die jeweils eingesetzten Schul- oder Voltigierpferde begrenzt werden. Alle Beteiligten sollten über die Situation die Schutzmaßnahmen gut und verständlich informiert und in das verantwortliche Handeln einbezogen werden.

Der Zugang zu den Ställen sollte auf das zwingend Notwendige beschränkt sein.

Ggf. sollte die (pädagogisch wertvolle) Einbeziehung in die Pferdepflege in der ersten Phase des Wieder-Einstiegs vorübergehend zurückgestellt oder angepasst werden. Den Kindern sollte das Geschehen verständlich erklärt werden.

Es sollten Desinfektionsmittel genutzt werden, die gegen Viren wirksam sind. Das ist der Deklaration („Viruzid“) zu entnehmen. Im Zusammenhang mit der Coronapandemie sind diese in der Regel in den Pferdesportanlagen verfügbar und sollten ohnehin konsequent und für alle verpflichtend genutzt werden.

Wenn neue Pferde in den Bestand aufgenommen werden, sollten sie nach Möglichkeit zunächst isoliert untergebracht werden. Zumindest sollte der unmittelbare Kontakt zu den Bestandspferden (auch auf Paddocks, Weiden) in den ersten 14 Tagen vermieden werden. Ferner sollte ein Gesundheitszeugnis (nicht älter als 48 Stunden) verlangt werden und der Herkunftsbetrieb sollte attestiert „seuchefrei“ sein.

Wenn ein Verschieben ohne Probleme möglich ist, ist das sicherlich eine gute Option. Vielfach wird das aber nicht realistisch zu lösen sein und dann sind die zuvor beschriebenen Maßnahmen ein guter Weg, um das grundsätzliche Risiko verantwortungsvoll zu managen.

Nein. Ein Gesundheitszeugnis inkl. der o.g. Maßnahmen reicht aus. Juristisch ist jedem Halter diese Option aber möglich.

Paddocks und Weiden sollten möglichst nur von geschlossenen (gleichbleibenden) Gruppen gemeinsam genutzt werden. Ziel ist es, dass nicht ständig neue oder wechselnde Kontakte zwischen ansonsten getrennt untergebrachten Pferden entstehen.

Darauf sollte auch bei nebeneinander liegenden Paddocks oder Weiden geachtet werden, über den Zäune die Pferde Kontakt aufnehmen können.

Tränke, Tröge und Raufen oder andere Futterstellen sollten nur von Pferden einer festen Gruppe gemeinsam genutzt werden. Als Kontaktstelle sind sie prädestiniert, Viren zu übertragen. Sofern Paddock oder Weiden von mehreren Pferdegruppen genutzt werden, sollten sie gereinigt / desinfiziert werden.

FAQ zur Impfung gegen das Equine Herpesvirus

Nein. In Deutschland gibt es keine gesetzliche Verpflichtung zur Herpes-Impfung von Pferden. Sie ist aktuell auch im nationalen Sportregelwerk (LPO, WBO) nicht vorgeschrieben.

Ja. Die Empfehlung zur Impfung wird sowohl von der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet), als auch von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ausgesprochen.

Sie wird von vielen Pferdebesitzern kritisch diskutiert, weil die Impfung gegen Herpes – im Unterschied beispielsweise zur Tetanus-Impfung – keinen so umfänglichen Schutz vor der Infektion des einzelnen Pferdes bietet, wie es etwa bei der Tetanus-Impfung der Fall ist. Sie vermag allerdings den Verlauf einer individuellen Infektion günstig zu beeinflussen oder abzumildern

Die konsequente Impfung des gesamten Bestandes wird jedoch als wirksame und sinnvolle Maßnahme zur Verringerung der Virenausscheidung im Gesamtbestand angesehen und entsprechend empfohlen.

Vereinsvorstände oder Betriebsleiter haben die Möglichkeit, eine Verpflichtung zur Impfung im Einstallungsvertrag zu regeln.

Ja. Nach dem Einsetzen der sogenannten Immunkompetenz eines Fohlens sollte die Impfstrategie (Tetanus, Influenza, Herpes…) mit der Tierärztin/arzt individuell besprochen und dann konsequent umgesetzt werden. Achtung: Impfungen betreffen immer den Gesamtbestand.

Ja. Auch bei diesen Pferdebeständen ist das Virus latent vorhanden. Auch hier kann durch die Übertragung durch Personen (Reiter, Dienstleiter, Ausbilder), durch Gegenstände oder Stress eine Infektion ausgelöst werden. Eine Impfung schütz das geimpfte Individuum und läßt Infektionen, wenn sie eine Infektion nicht verhindern können, deutl. „milder“ verlaufen.

Es gilt wissenschaftlich die Formel der sog. „Herdenimmunität“: Sind mindestens 66,6 % eines Bestandes geimpft, so besteht ein „Impfschutz“. Aber auch hier können nicht geimpfte Pferd deutlich schwerer erkranken. Zum Schutz jedes einzelnen Individuums eines Bestandes sollte daher jedes Pferd geimpft sein.

Mit deutlich erhöhtem Aufwand (Blutuntersuchungen) ist dies möglich, aber nicht sinnvoll.

Ja. Es kann auch selbst erkranken. Die Impfung kann den Verlauf mildern. Ihre besondere Bedeutung hat sie zudem, weil die konsequente Impfung des Bestandes die Virusausscheidung insgesamt senkt.

Vereinsvorstände und Betriebsleiter können die Teilnahme an der Bestandsimpfung im Rahmen der Einstallerverträge zur Geschäftsbedingung machen. Das ist unabhängig davon, für welchen Zweck die Pferde genutzt werden.

Neben lokalen Entzündungen (Schwellungen, Druckschmerz) an der Injektionsstelle können erhöhte Temperatur/Fieber, Abgeschlagenheit, Fressunlust (ggfls. weitere Symptome) entstehen. Diese verschwinden erfahrungsgemäß nach 3-5 Tagen. Wissenschaftlich werden diese Nebenwirkungen u.a. als „Impfreaktion“ bezeichnet und als positive Körperantwort gewertet.

Grundsätzlich sollte in eine akute Infektionswelle nicht „hinein geimpft“ werden. Es entscheidet die Tierärztin/arzt aber die für den Bestand sinnvollste Option. Weitere Entscheidungen hierüber sollten dann zwingend im Bestand mit der Tieräztin/arzt besprochen werden. Das Warten auf die „nächste Welle“ ohne konsequentes Handeln ist die schlechteste aller Optionen.

Bei Impfungen zum Schutz der Pferde gegen das Herpesvirus sind die Varianten des Virus zu unterscheiden.

Equines Herpesvirus Typ 1 kann andere Symptome (z. B. Ataxie wie jetzt in Valencia) hervorrufen, als der Typ 4 (Verfohlungen bei tragenden Stuten).

Im aktuellen Impfstoff sind beide Typen enthalten (Typ 1 und Typ 4). Ein Schutz tragender Stuten ist im höchsten Maße sinnvoll, wie es die Verantwortlichen der Vollblutzucht weltweit erfolgreich vorgemacht haben.