News vom: 08.03.2010

Westfalens Pferdesport auf dem Prüfstand

Der Pferdesportverband Westfalen stellte die Ergebnisse des Sportentwicklungsberichtes speziell für seine Regionen vor. Nun sollen Konzepte entworfen werden, um mehr Menschen für den Pferdesport zu begeistern und langfristig zu binden.

Verbandspräsident Erbprinz Rudolph von Croy begrüßte die Gäste bei den Regionalkonferenzen.
(Susanne Müller)
Paderborn/Hattingen/Lünen (PV). Jede Menge Zahlen, Statistiken und Tendenzen begegneten den Teilnehmern der Regionalkonferenzen, zu denen der Pferdesportverband Westfalen Ende Februar und Anfang März in Paderborn, Hattingen und Lünen eingeladen hatte. Verbandspräsident Erbprinz Rudolph von Croӱ begrüßte jeweils rund 40 Gäste zu den Diskussionsabenden, bei denen PV-Geschäftsführerin Brigitte Hein zum ersten Mal die Ergebnisse des Sportentwicklungsberichtes speziell für Westfalen vorstellte. Der Bericht greift auf belastbares Datenmaterial des vergangenen Jahres zurück, das durch eine bundesweite Umfrage der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) bei den Pferdesportvereinen und Mitgliedsbetrieben entstanden war. Aus dem Sportentwicklungsbericht geht auch die Offensive der FN hervor, mit der gemeinsam mit den Landesverbänden bis 2013 gegen sinkende Mitgliederzahlen vorgegangen werden soll. Dieses Projekt, das gerade anläuft, heißt  „Investition in die Zukunft/Vorreiter Deutschland“.

Vereine werden kleiner

Zwar ist der Pferdesportverband Westfalen mit 110.357 Mitgliedern nach wie vor der größte Landesverband in Deutschland, doch zeigen die Zahlen, dass die Vereine in Westfalen langsam aber stetig kleiner werden. In der Zeit von 2005 bis 2009 verlor der PV fast 5000 Mitglieder. Gut ein Drittel der Mitglieder in den Vereinen sind Kinder und Jugendliche. Ihre Zahl ist  - im Moment noch – relativ stabil.  Den größten Rückgang in den Vereinen gab es bei den männlichen Pferdesportlern über 27 Jahren. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe in Westfalen ist seit dem Jahr 2000 um 77 gestiegen. Der Anteil von Jungen und Männern ist hier allerdings noch kleiner als in den Vereinen. Bei den Angeboten der Betriebe und Vereine liegen Unterricht in Dressur und Springen in der Poleposition. Ausritte, Wander- und Westernreiten werden deutlich weniger angeboten als im Bundesdurchschnitt. Doch dafür hält Westfalen ein großes Angebot an Voltigierstunden, an Therapeutischem Reiten und am Gesundheitssport bereit.

Wartelisten für Reitstunden

Eine besondere Bedeutung beim Projekt „Investition in die Zukunft“ kommt den Schulpferden und Ausbildern zu. In Westfalen haben mehr Vereine Schulpferde als im Bundesdurchschnitt, bei den Betrieben ist es genau andersherum. Was viele der Konferenzteilnehmer erstaunte: In Westfalen müssen Anfänger durchschnittlich vier Monate auf ihre erste Reitstunde warten. Tatsächlich liegt der prozentuale Anteil von Vereinen und Betrieben mit Wartelisten deutlich über dem Bundesdurchschnitt. In den westfälischen Vereinen und Betrieben gibt es aber auch deutlich mehr Ausbilder als im  Bundesdurchschnitt – besonders bei den Vereinen. Allerdings sagt die blanke Anzahl noch nichts über die Qualität aus. Unterricht auf Schulpferden wird häufig durch Amateurlehrkräfte erteilt. Kritisch: Der Anteil der Ausbilder ohne eine Lizenz-Qualifikation ist hoch und liegt - statistisch gesehen - in westfälischen Vereinen bei fast einem Viertel. Der Preis für eine Reitstunde bewegt sich zwischen zehn und 14 Euro. Viele andere Freizeitangebote sind heute deutlich teurer…. 

Besonders gespannt verfolgten die Konferenzteilnehmer den Part über die Probleme der Vereine und Betriebe. Dabei hatte der Sportentwicklungsbericht ergeben, dass im Verein die „Gewinnung und Bindung von ehrenamtlichen Funktionsträgern“ als Problem Nr. 1 erkannt wird. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Bindung junger Leistungssportler und die zeitlichen Auswirkungen der Ganztagesschule. Fast ein Viertel der Vereine hatte mindestens eines von 19 aufgelisteten Problemen als existenzbedrohend eingestuft. Zu den existenzbedrohlichen Problemen zählten auch der „Sanierungsstau“ und die „Finanzlage“.

Problem Ganztagesschule

Bei den Betrieben führt die Ganztagesschule das Problemranking mit großem Abstand an. Sie wird in vielen Fällen sogar als existenzbedrohend eingestuft - in manchen Regionen von 25 und mehr Prozent der Betriebe. Kein Wunder, dass sich um dieses Thema eine angeregte Diskussion entspann. Während es bereits viele gut funktionierende Kooperationen zwischen Pferdesport und Ganztagsschulen und Kindergärten gibt, führten solche Zusammenkünfte in manchen Betrieben und Vereinen auch zu Problemen. Fazit: Eine Kooperation alleine bringt noch keine Glückseligkeit. Die veränderte Lebens- und Freizeitwelt der Kinder stellt die westfälische Reiterei vor massive Herausforderungen. Das macht sich auch in der Verbands-Talentförderung bemerkbar, denn ein Stützpunkttraining zu den üblichen Zeiten am Nachmittag funktioniert heute schon nicht mehr.

Viele der Probleme waren den Konferenzteilnehmern durch eigene Erfahrungen bereits bewusst. In den Diskussionen wurden jedoch schon einige gute Ideen gesammelt, die Hoffnung auf die Zukunft machten. In Paderborn wünschten sich die Teilnehmer weitere Regionalkonferenzen und Themenabende, bei denen sich Experten mit den Vereinsvorständen und Betriebsinhabern austauschen können. Auch in Hattingen hoffen die Tagungsgäste auf mehr regionale Zusammenarbeit. Und in Lünen war es den Teilnehmern wichtig, ein individuelles Vereinsprofil zu haben. Erst dann könne man eine Vereinsstrategie aufbauen und Zielgruppen definieren. Eine professionelle Beratung ist dabei erwünscht. Eine weitere Regionalkonferenz folgt am Montag, 8. März, in Münster.

Wie geht es weiter? - Der Verbandsausschuss wird die zusammengeführten Ergebnisse aller Regionalkonferenzen bewerten und Ziele definieren. „Jeder dieser Regionalkonferenzen war bisher eine Bereicherung und hilft uns dabei, über den Tellerrand hinweg zu schauen.“, meinte abschließend Verbandspräsident Erbprinz Rudolph von Croӱ.



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